In der letzten Sitzung des Unterausschusses Zivile Krisenprävention in dieser Wahlperiode haben wir uns mit dem Thema “Radikalisierung in Flüchtlingslagern begegnen – Perspektiven für Jugendliche schaffen” beschäftigt.

82,4 Millionen Menschen sind weltweit vertrieben und auf der Flucht. Viele von ihnen finden zeitweise Zuflucht in Flüchtlingslagern oder IDP-Camps (als Internally Displaced Persons, zu deutsch: Binnenvertriebene). Viele dieser Camps haben es zu trauriger Berühmtheit geschafft: Dadaab und Kakuma in Kenia, Zatari in Jordanien, Bidi Bidi in Uganda, Um Rakuba im Sudan oder Cox’s Bazar in Bangladesch. Ein großer Teil dieser Menschen verbringt viele Jahre in solchen Lagern, ohne Aussicht auf Rückkehr in ihre Heimat. Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten fehlen. Eine Perspektive für eine gute Zukunft gibt es nicht. Gerade Kinder und Jugendliche in den Lagern sind deshalb gefährdet, sich in diesem Umfeld zu radikalisieren.

Wir haben diskutiert, welches Konfliktpotenzial aus dieser Perspektivlosigkeit entsteht und was man dagegen tun kann. Wie können Perspektiven für Jugendliche geschaffen werden, um einer Radikalisierung vorzubeugen? Wie kann vermieden werden, dass eine „verlorene Generation“ heranwächst? Wie kann Jugendlichen, die schon dabei sind, sich zu radikalisieren beziehungsweise sich schon radikalisiert haben, geholfen werden?

Das Video der Sitzung könnt ihr euch oben ansehen.

Als Sachverständige waren eingeladen:

– Dr. Katerina Kratzmann, Projektleiterin bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in einem Projekt für die politische Beratung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zum Thema Flucht.

– Dr. Markus Rudolf, wissenschaftlicher Mitarbeiterin am Bonn International Center for Conversion (BICC) und Spezialist für Konflikt, Vertreibung und (Re)integration mit Schwerpunkt auf Feldforschungen in langanhaltenden Konflikten.

Der Unterausschuss des Auswärtigen Ausschusses leistet einen wichtigen Beitrag zur Integration des Themas Prävention, Bewältigung und Nachsorge von Konflikten in die parlamentarische Arbeit des Bundestages. Mit Expertenanhörungen rückt er die zivile Krisenprävention in den Fokus.

Vorsitzender des Unterausschusses ist Ottmar von Holtz (Bündnis 90/Die Grünen).

Weitere Informationen gibt es auf der Webseite des Bundestages.