Die Covid-19-Pandemie ist eine globale Pandemie und sie kann nur global überwunden werden. Wir müssen dringend unsere nationalen Anstrengungen um eine globale Dimension erweitern. Unsere Forderungen an die Bundesregierung zu diesem Thema haben wir in einem Antrag zusammengefasst.

Die globale Verteilung der Corona-Impfstoffe verläuft bisher sehr ungerecht. Das ist nicht nur ein moralisches Problem, sondern auch ein medizinisches. Denn so lange das Virusgeschehen global unkontrolliert bleibt, ist das Risiko weiterer Mutationen und Infektions-Wellen auch hier bei uns sehr hoch.

Immunisierung als globales öffentliches Gut

Die Bundesregierung muss die breite Immunisierung endlich als globales öffentliches Gut behandeln und den Ausbau der weltweiten Testkapazitäten finanziell und technisch unterstützen. Die zuletzt zugesagten 1,5 Mrd. Euro für die internationale Impfkampagne der WHO sind angesichts der dramatischen Finanzierungslücke nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Damit überall auf der Welt Impfstoffe produziert werden können, braucht es einen umfassenden Transfer von Wissen und Technologie zwischen Pharmaunternehmen. Die Bundesregierung muss den internationalen Technologie-Pool der Weltgesundheitsorganisation (C-TAP) unterstützen, der solche Produktionspartnerschaften einleiten, koordinieren und die Qualitätssicherung übernehmen soll.

Impfplan der WHO muss umgesetzt werden

Wenn positive wirtschaftliche Anreize – wie im Preis gestaffelte Abnahmegarantien – nicht dazu führen, dass der globale Impfplan der WHO eingehalten werden kann, bleibt die verpflichtende Vergabe von Lizenzen. Als letzte Möglichkeit steht die Aussetzung von Eigentumsrechten für alle Produkte im Raum, die zur Vorbeugung, Eindämmung und Behandlung von Covid-19 notwendig sind. Diese Forderung Indiens und Südafrikas, die die berechtigten Interessen der Länder des Globalen Südens widerspiegelt, sollte die Bundesregierung unterstützen, wenn alle anderen Maßnahmen nicht ausreichen. Es liegt ja auf der Hand, dass die weltweite Bekämpfung der Covid-19-Pandemie im Interesse der Allgemeinheit – oder hier besser: der Menschheit – liegt.

Es braucht mehr als nur Impfstoff

Und schließlich müssen wir massiv in impfbegleitenden Unterstützungsmaßnahmen im Rahmen der WHO-Instrumente zur Bekämpfung der Pandemie und der Entwicklungszusammenarbeit einsteigen, um global Zulieferprodukte herstellen zu können, Infrastruktur wie Transport und Lagerung, Impfzentren und Diagnostikzentren aufzubauen sowie Aufklärungsarbeit zu leisten.