Der Afrikabeauftragte Günter Nooke hat versucht, kritische Stimmen mundtot zu machen. Die in der Presse dargestellten Vorwürfe der Einschüchterung einer jungen Wissenschaftlerin hat die Bundesregierung in ihrer Antwort auf unsere Kleine Anfrage nicht ausgeräumt.

Bei einem Gespräch im Entwicklungsministerium hat Nooke die Vorsitzende des Fachverbandes Afrikanistik mit einem Angriff auf ihre Karriere bedroht. Der Verlauf des vermeintlich klärenden Gespräches und die anschließende Drohung gegenüber der Afrikanistin zeigen, dass es Nooke an Fingerspitzengefühl und Urteilsvermögen in kritischen Situationen fehlt. Erst versuchte er auf überfallartige Art und Weise die Anwesenden zu einer Erklärung zu drängen, die ihn pauschal von einem Rassismus-Vorwurf freisprechen sollte, der so gar nicht erhoben worden war. Als dies nicht gelang, geriet Nooke in Wut. Er bedrohte die Vorsitzende des Afrikanistik-Verbandes durch die Übergabe des sogenannten Gutachtens, das die Bundesregierung nun distanzierend als „individuellen Debattenbeitrag“ des Görlitzer Professors Vogt bezeichnet, dessen Inhalt man sich nicht zu eigen mache. Nooke handelte an dieser Stelle wie ein angeschossener Elefant im Porzellanladen – wütend, drohend und die Umstände ignorierend.

“Nookes Afrikabild ist holzschnittartig und von kolonialen Denkmustern geprägt”

Nookes Afrikabild ist sehr schlicht, wie sein Standardsatz „Afrika ist anders“ zeigt. Nicht erst seit seinem Interview mit der B.Z., in dem er pauschalisierend über Afrika sprach und rassistische Stereotype reproduzierte, steht für Afrika-Kenner fest: Nooke hat keine Ahnung von diesem äußert vielseitigen Kontinent. Er denkt in holzschnittartigen, veralteten und von kolonialem Denken geprägten Mustern. Darum ist er für die deutsche Afrikapolitik eine schwere Belastung und für den angeblich angestrebten Dialog auf Augenhöhe ungeeignet.

Fan des kamerunischen Diktators Paul Biya als Kronzeuge

Die Bundesregierung behauptet in ihrer Antwort zwar, Nooke könne auf dem Stand der Wissenschaft über Afrika sprechen. Dass das nicht stimmt, zeigt schon die Tatsache, mit welchen Unterstützern er sich in das fragliche Gespräch mit kritischen Afrikanistinnen und Afrikanisten begab: Er ließ sich von einem Fan des kamerunischen Diktators Paul Biya sekundieren sowie von einem Theaterwissenschaftler aus Görlitz ohne weitere Afrika-Expertise. Von dessen „Gutachten“ (Eigenbezeichnung) versucht sich die Bundesregierung in ihrer Antwort so weit wie irgend möglich zu distanzieren. Nooke hingegen war sich nicht zu schade, das Schreiben für seinen Einschüchterungsversuch zu verwenden.

Allen Beteuerungen der Bundesregierung zum Trotz bleibt ein Fakt: Herr Nooke sagte öffentlich, dass der Kolonialismus dazu beigetragen habe, Afrika aus archaischen Strukturen zu lösen. Das ist das exakte Gegenteil von der Feststellung der Bundesregierung, dass der Kolonialismus eine massiv schädigende Wirkung auf Afrikas Entwicklung hatte.

Afrikabeauftragter sollte ein Experte sein – am besten aus Afrika

Der Posten des Afrikabeauftragten könnte der Treiber einer ambitionierten Afrikapolitik sein. Dass dieser Posten trotz der offensichtlichen Überforderung des Amtsinhabers und seiner Fehltritte weiterhin mit Herrn Nooke besetzt ist, zeigt, welchen Stellenwert die Bundesregierung der Afrikapolitik in Wahrheit beimisst – allen Sonntagsreden und afrikapolitischen Leitlinien zum Trotz. Es stünde Deutschland gut zu Gesicht, wenn dieser Posten mit einer Expertin oder einem Experten besetzt würde, bestenfalls mit jemandem aus Afrika.“